nun sollte ich es aber auch langsam mal aufschreiben...
während bei der debatte, als wettstreit.... mal so ganz verkürzt zusammengefasst...
während also bei der debatte zwei debattieren und ein dritter den 'gewinner' ausspricht, ob nun nach den glaubensregeln oder entlang der besseren argumente entlang der logik sei mal dahingestellt, umfasst der diskurs eben genau auch diesen dritten, entscheidenenden.
der diskurs ist also sowas wie das vorstrukturierte feld, in dem die debatte geführt wird, wo bereits vorstrukturiert ist, was als gutes argument gilt (entlang von glaubensregeln oder logik) und was nicht.
der diskurs beschreibt also die zusammenfassung aller debatten zu einem thema und aller entscheidungen über gewinner und verlierer und umfasst damit auch zum einen die stillschweigenden vorannahmen und vorraussetzungen der debatte, die dadurch bestätigt werden bzw weitergetragen (eine debatte über die vorhherrschaft eines geschlechts hat die stillschweigende vorraussetzung, dass es geschlechter gibt und zwar zwei und wie die aufeinander bezogen sind usw usw...)
und zum anderen umfasst der diskurs welche argumente und themen nicht verhandelt werden können, die von vornherein 'keinen sinn haben oder besser bekommen', das hat mit konventionen und normen und normativität zu tun.
nun gut, man könnte jetzt meinen, dass debatte und diskurs einfach zweierlei und verschiedenes sind, das eine das kleine konkrete und das andere das grosse metading... aber dem ist nicht unbedingt so, weil ja mit diskursen im hinterkopf auch debatten geführt werden.. die allerdings ebenfalls vorstrukturiert sind..... ja, das ist wichtig, denn es gibt keine schlussendliche wahrheit auf die hinargumentiert wird, keinen ursprung oder kern, kein gott keine natur, sondern nur die menschgesellschaft gemacht anordnung der bedeutungen, der wachsende wuchernde historische diskurs eben.
(deswegen auch nicht sturkturalismus: eine feste struktur, zb sprache oder grammatik als überhistorische grundannahme sondern poststrukturalismus weil eben auch dieser grund sich am entwickeln ist und entwickelt wird)
zum einen fand ich interessant, dass beide, debatte und 'blick auf diskurs' was ähnliches wollen. nämlich ein werkzeug sein, um illusionen aufzulösen.... grob gesagt, um damit zu einer tieferen oder anderen erkenntnis zu kommen.
der zugang bzw die art und weise ist aber eine unterschiedliche.
während bei der debatte, (war es jetzt der herausforderer?) der eine also 'das gegenteil' als argument gegen eine aussage setzt, um als eine art advocato diaboli die logik zu schulen und erkenntnis zu ermöglichen, und sich dem gewinnenden argument unterworfen wird, führt die vorstellungen von diskursen zu anderer art von 'wortgefechten':
der diskurs, wenn er denn debattiert wird, versucht eher auf die stillen vorannahmen und vorstrukturierungen hinzuargumentieren und die ausschlusse, das verworfene das nicht intelligible, das unsagbare und unerhörte aufzudecken. grade auch, weil im diskurs die anordnung von "dem einen und seinem/ihrem gegenteil" (was gilt überhaupt als gegenteil) genau die formation darstellt die stille vorannahmen 'zum schweigen bringt' ent-sagt, unsagbar macht.
und deswegen auch camp und travestie.... ja: das ist ein grosser schritt, ist aber so.
während bei der debatte standpunkte eingenommen werden, (selbst wenn nur strategisch als davocato diaboli), geht es um den wahren standpunkt, der gefunden und dem sich unterworfen wird.
mit einem diskurs kann man keinen standpunkt einnehmen, man kann nur vorannahmen und ausschlüsse entlarvend einführen. nur strategische positionen ein chronischer advocato diabolidiaboli
für die kunst, die strukturiert von gegensatzpaaren wie 'etablierter/bürgerlicher kunst und dem gegenteil alternativer/freier kunst, bzw. unterhaltung/'nichtkunst,
ist es die kleine dreckige und lächerliche schwester kleinkunst (mir wurde analysierend gesagt der ort queerer kunst)...
.... nahe an der reinen unterhaltung, noch eher show als variete bei dem sich doch ganz gerne bedient wird, travestie die sowohl die bürgerliche als auch die freie kunst herausfordert, indem sie z.b. gegen die tiefe und authentizität, die oberfläche und künstlichkeit setzt. kitsch, trasch, flitter, billiger pathos, die nähe zum rotlicht, zur reinen unterhaltung...
"
for pimps and queens and queer criminals" (zum
hören)
auch die
freakshow, bärtige frauen, zwitter, transen ....
"Die Schlussszene war ursprünglich anders geplant. In einer ersten Fassung hört man Hercules, wie er am Ende nach der Bestrafung durch die Freaks Sopran singt. Dieses Ende verschreckte die Besucher bei Testvorführungen jedoch so sehr, dass der Schluss geändert wurde."
...schlecht (
nach wessen kriterien?) gemacht...
ja und das klingt abstrakt, aber ich erinnere gut und ganz konkret vor dem freien theater dem ballhaus faux pas die überraschte und belächelnde reaktion als ich von travestie sprach. "ausschluss! ausschluss!" siehste!, da lässt sich also erkenntnis finden.
aber was heisst das jetzt nochmnal konkret für die tibetische debatte.
mal abgesehen davon, dass ich die bewegung und lebednigkeit der debatte mag, neben der farbigkeit der fummel, weiss ich nicht welche position ich in diesem dreiergespann einnehmen wollen würde. erstens eine der beiden 'hierarchisch' (stehend/sitzend) angeordneten debattierenden? ich habe leider nicht rausbekommen, wer da wessen logik in der argumentation überprüft. ob der sitzende seine argumente vorträgt, und der agierende stehende diese quasi nur kommentiert, gegenteiliges zum überprüfen und herausfordern entgegenwirft, bestärkt oder verwirft.... oder ob tatsächlich der stehende dem sitzenden von oben herab die argumente
an den kopf klatscht.
will man einer der wettstreitenden sein, die ums
gewinnen ringen, oder der
schiedsrichter?
oder doch lieber mit
travestie und
vollplayback die konstallation an sich als absurde darstellen die sich um die gundannahme des wettstreits formiert?